Die Helgoland - Edinburgh Regatta 2007
Ein Bericht in vier Akten, der fünfte wurde aus Gewichtsgründen weggelassen. Wiederum aus Gewichtsgründen findet Ihr die Bilder dazu hier.
(Ich werde nächstes Mal auch die technischen Möglichkeiten so erweitern, dass auch während der Regatta die neuesten Berichte unter www.mitph.de zu lesen sind.)
1. Akt
Vorbereitungsphase
Nach der Regatta ist vor der Regatta, damit hat man also zwei Jahre um sich vorzubereiten. 2007 ist es auch noch ein Jubiläum, 40 Jahre übrigens. Das Problem eine Crew zusammen zu bekommen kennt jeder, hat jeder und ist auch jedes Mal dasselbe. Neu ist der Trend nach weniger Gewicht, jedenfalls bei uns an Bord. Wie aus den Medien gelernt begann die Wegrationalisierung, natürlich nur beim Material. So fing es mit dem Kocher an. Alt, 13kg, mit Backofen, gegen neu, 2,5kg, ohne Backofen. Schritt für Schritt wurde das Boot kg für kg leichter, insgesamt ca. 400kg. Neben bei wuchs auch die Crew, so dass wir zu fünft waren: Karin Oltmann, Heino Peters, Reinhard Dieckhoff, Jens Kohfahl, der Skipper und ich der Stephan, mit „ph“, denn so viel Zeit muss sein. Es wurden auch Berichte gesucht, denn irgendwie hat ja doch immer jemand etwas zu dieser Regatta geschrieben. Daraus wurde dann die „Festschrift“, die jedes teilnehmende Boot als Lektüre bekam. Pfingsten ging es dann richtig los mit bunkern und natürlich auch mit den Festlichkeiten. Bei der SVC in Cuxhaven gab es Musik, ’ne Bierbude und Seelachs, aber kein Meier-Team und nicht von Hobi gebraten, schade! Am nächsten Tag auslaufen, Richtung: Helgoland, Regen, kein Wind. Hab mal gehört, dass der schnellste Weg nach Helgoland bei Flaute sein soll. Auf Helgoland hat Jens dann auch seine VIP-Karte bekommen, die ihm ja als Wettfahrtleiter zusteht, aber keinen sichtbaren Vorteil erbrachte. Alle Lokalitäten waren für uns als einfache Crew genauso zugänglich wie ihm, noch nicht einmal ein Tisch im Restaurant wurde deswegen geräumt. Wir fanden doch noch ein Restaurant und mussten nur noch die Wartezeit überbrücken. Taten wir mit einer „Helgoländer Spezialität“, die auch Ei enthält und beim Galileo-Tech-Check die volle Punktzahl erhalten hätte. Der Sonntag wurde von der Reparatur des AIS geprägt, Uwe vom WSC half uns kräftig dabei. Natürlich haben wir auch Strömungskarten und die AGWPs (Artur-Großkreis-Wegepunkte) studiert. Montag, geplant war noch einmal ein bisschen mehr Schlaf zu bekommen, ging mein erstes Auge auf, das zweite folgte kurz darauf. Der Grund: Lärm, vom Skipper. Der machte sich schon fertig. Meine Hand suchte oben rechts unter meinem Krimskrams die Uhr, wurde fündig und ich sah die Misere. Es war acht Uhr, nach meinen Maßstäben viel zu früh. Schweren Herzens stand ich auch mit auf, obwohl die Koje so schön kuschelig war. Wir machten die letzten Einkäufe. Bei Regen Sonnencreme kaufen ist ja auch mal was neues, dafür haben wir auch die wasserfeste genommen. Beim weiteren Bummel vor dem Schaufenster fanden wir noch ein tolles Objekt, dass aus Gewichtsgründen leider nicht mitgenommen werden konnte. Es war eine Tasse mit der Aufschrift: „Was mache ich hier eigentlich?“
2. Akt
Die Regatta
Immer noch Montag kam, nach dem Briefing, der Start. Was auch sonst? Im Vorhafen wurde das Auslaufen von Klaus mit seinem Dudelsack musikalisch untermalt. Ein großer Teil der Boote startete mit Spinnaker, auch wir. Das ging super bis zu einer Tonne, die wir fast falsch passiert hätten, aber auch das kennt man schon. Da waren wir jetzt also auf dem Weg nach Schottland, war ein schönes Gefühl. Nur der Wind wollte noch nicht so recht. Wie heißt es so schön? „Bei Flaute und Sturm werden Regatten entschieden.“ Ich hätte lieber letzteres. Dienstagmorgen, halb zehn, irgendwo auf der Nordsee. Es gab weder Knoppers noch Wind so wie ich ihn haben wollte. Dafür hat Jens das Bändsel vom Wasserkessel abgebrannt. Zur Erklärung füge ich mal eine Bauartbeschreibung bei: Der Wasserkessel hat einen Stopfen, der tuten soll wenn das Wasser kocht, so die Theorie. Dieser Stopfen wurde aber durch eine Kraft resultierend aus der Beschleunigung seiner Masse mit der Gravitation der Erde und sehr starker negativer Beschleunigung auf Höhe einer Fläche größerer Dichte, man spricht auch von runterfallen, in eine nicht originale Form gebracht. Der Stopfen musste also beigebunden werden, damit er seinen Job weiterhin ausführen kann. Wenn der Kocher dann nicht mittig auf dem Brenner steht, brennt auch mal der Faden. Da man diesen auch mal verlieren kann, haben wir auch immer genügend in Reserve. Karin war das übrigens schon am Montag passiert und es wird wohl auch noch in Zukunft passieren. Klingt komisch, ist aber so. Ein Vogel besuchte uns kurz, blieb aber nicht bis zum Mittag. Er wusste wohl mehr als wir, denn zu Abend hin kam endlich der Wind, der uns auch Stück für Stück reffen ließ bis wir bei Hardwindfock und drittem Reff im Großsegel angelangt waren. Keine Angst, Kenner wissen, dass wir aus Sicherheitsgründen sehr viele weitere Möglichkeiten gehabt hätte die Segelfläche noch weiter zu reduzieren. Der Wind bescherte uns einen schönen Ritt durch die Nacht. Dadurch, dass der Wind ein Stück gedreht hatte waren wir nach kurzer Zeit einer Kreuzsee ausgesetzt, die doch schon aktive Ruderführung erforderte. Trotz „Abreiten“ der Wellen gab es doch hier und da ein paar „Schlaglöcher“ die weder ausgeschildert noch klein waren. Der Bug kippte richtig runter, wie bei einer Achterbahn. Und drückte sich in die See, leider war dies mit einer Fahrtreduzierung verbunden. Schwung holen und weiter, half ja nichts. Der Wind bescherte uns noch einen Gedanken an die Tasse, jedoch nur um Mittwoch wieder ein wenig abzuflauen. Zur Entschädigung gab es dafür Sonnenschein, mit Sonnenbrand. Ich habe dann auch die Sonnencreme benutzt. Ein kleines Problem ergab sich dann auch noch beim Segeln auf Steuerbord Bug und zwar das des Lokus. Das Seeventil hing über dem Wasserspiegel. Daraufhin wurde der Kloschlag eingeführt. Donnerstag sind wir auf Spinnaker umgestiegen und es war wirklich Flaute. Ich musste an die Tasse denken, während sich das Windex nur noch im Kreis drehte. Aufgeheitert wurde die Lage als wir Besuch bekamen. Delfine, Schweinsfische oder Tümmler, was auch immer, spielten mit unserer Bugwelle. Für mich sind das jetzt Delfine, klingt einfach besser. Auf dem Bugkorb liegend, haben wir das Spektakel beobachtet. Das Formationsschwimmen, das Springen aus dem Wasser, die schnellen engen Kurven und direkt unter dem Bugkorb legten sie sich manchmal auf die Seite und man hatte das Gefühl, dass sie einen ansahen. Durch die Sonne haben wir auch die Sachen, die Dienstag nass geworden sind richtig trocknen können. Unter Spi sind wir in die Nacht gefahren und genossen den riesigen Mond. Um einem Schlepper auszuweichen, haben wir den Spi bis knapp über halben Wind gefahren, was uns auch einen kleinen Geschwindigkeitsrausch bescherte, leider in die falsche Richtung. Der Schlepper fuhr dicht ran und drehte dann ab, wollte wohl nur mal gucken. Sehr schön war, als Backbord der Mond unterging und Steuerbord achteraus die Sonne langsam zum Vorschein kam. Zum Frühstück gab es Rührei mit Schinken, Zwiebel und Tomaten. Das war mal eine Mitarbeitermotivation, die wir allerdings auch brauchten, denn nach ein paar Stunden wurden wir komplett von Nebel umschlossen. Wir dachten kurz wieder an die Tasse. Mit Radar segelten wir, immer noch mit Spi, durch die Brühe. Aus Sicherheitsgründen war bei dem Nebel die gesamte Crew an Deck. Das führte dazu, dass Heino und Karin das Solarzellenspiel erfanden. Spielfiguren und Würfel waren dabei die leckeren Pinguinlakritz aus Helgoland. Der Wind ließ derweil noch weiter nach, bis sich der Windex wieder sinnlos im Kreis drehte. Bevor jemandem schwindelig wurde, haben wir dann eine Jacke darüber gelegt. Heino baute noch eine Vorrichtung, um die Spinnakerschot über Nock des Baumes zu führen, auf die selbst MacGyver stolz wäre. Auf dem Radar waren auch zwei Echos auszumachen. Für Tonnen zu schnell, für Boote unter Maschine zu langsam. Mitsegler? Unter Regen kam auch der Wind wieder und der Nebel ging. Es waren wirklich Mitsegler. Der Spi wurde noch aus der Hand gefahren und mit Radar die Küstenlinie abgetastet, um ja keinen Raum zu verschenken. So kamen wir dann in Edinburgh an, genauer Granton Harbour. Im Hafen dann noch eine interessante Begebenheit, nein nicht beim Segeln, sondern beim „Einlaufwhisky“. Jens holt eine original Glemorangie Hülse hervor. Aus dieser zieht er aber keine Glasflasche hervor, sondern eine Vilsa Mineralwasserflasche aus Plastik. Er hat den Whisky wirklich aus Gewichtsgründen umgefüllt.
3. Akt
Schottland
Die Zeit in Schottland war recht begrenzt und wurde deswegen voll genutzt, ja auch mit Kultur und so. Konkret hieß das zwei Reisebusse voll mit Seglern, die als erstes eine Destille besucht haben, Blair Athol. Nach Erkunden der Destille selber wurde man auch in das Ritual des Whiskytrinkens eingeführt: Appearance, light nose, deep nose, tasting, allerdings mit nur einem sehr kleinen Glas. Ein Schloss durfte auch nicht fehlen, mit einem Vorraum der so voll mit Waffen war, dass laut des Guides ein amerikanisches Ehepaar gesagt haben soll, dass dort mehr Waffen seien, als sie im Irak finden werden. Am Abend dann der offizielle Empfang beim Royal Forth Yacht Club mit Spanferkel, Dudelsackspieler, Jazz Band und viel guter Stimmung. Die anschließende Bordparty endete mit einem Marsch über den Schlengel, wobei Klaus Dudelsack spielte und zwar den Hamburger Veermaster. Der Rest sang dazu und der Rest in den anderen Booten war dann wohl auch wach. Weitere Details bleiben der mündlichen Überliefung vorbehalten. Es war ja eine Art Training für den nächsten Tag, wo wir beim Bürgermeister eingeladen waren. So standen über 100 Segler am nächsten Tag beim Bürgermeister und überraschten mit einer Gesangseinlage.
4. Akt
Nicht die Rückfahrt
Ich schreib jetzt nichts über die Rückfahrt, denn Ihr könnt den Text ja auch einfach rückwärts lesen. Kommt fast aufs Gleiche bei raus. Hier soll erwähnt werden, dass es die 20. Regatta ist und doch auch etwas sehr Besonderes. In ein paar Familien segelt schon die dritte Generation diese Regatta mit. Viele haben so Schottland und die Gastfreundlichkeit dort kennen gelernt, einer, Klaus, hat sogar gelernt Dudelsack zu spielen und das besser als viele Schotten. Sogar der Bürgermeister von Edinburgh musste das zugeben. Es haben sich auch Freundschaften zu den Einheimischen entwickelt und manchmal heuert sogar ein Schotte für die Rücktour an. Es gibt bei diesen 400 Seemeilen nach Edinburgh so viele Aspekte, Erfahrungen und Gefühle, die man nicht beschreiben kann, man muss das selbst erleben.